Neue Schutzmaßnahmen für den Piburger See geplant

Der Piburger See in Oetz zählt zu den beliebtesten Natur- und Badegewässern Tirols, doch das sensible Ökosystem steht unter Druck. Klimabedingte Veränderungen führen zu einer kritischen Belastung mit Phosphor, die das ökologische Gleichgewicht gefährdet. Nun setzen die Gemeinde Oetz, der Naturpark Ötztal und die Universität Innsbruck gemeinsam auf wissenschaftlich fundierte Maßnahmen, um den See nachhaltig zu stabilisieren.

Wer den Piburger See besucht, erkennt auf den ersten Blick nicht, wie angespannt die Situation tatsächlich ist. Während sich das Gewässer oberflächlich idyllisch zeigt, verschlechtern sich die Bedingungen in der Tiefe seit Jahrzehnten. „Der Piburger See erstickt an zu viel Phosphor. Dieser am Seegrund abgesetzte Dünger beschleunigt das Wachstum von Algen, speziell von Cyanobakterien, die das Problem weiter verschärfen“, erklärt Hansjörg Falkner, Bürgermeister der Gemeinde Oetz. Die Folge sei ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der langfristig zum Kippen des Gewässers führen könnte.

Um dieser Eutrophierung (Überdüngung) entgegenzuwirken, hat sich die Gemeinde gemeinsam mit Partnern intensiv mit möglichen Sanierungsmaßnahmen beschäftigt.

Erste Maßnahme bereits für Herbst geplant

Auf Basis langjähriger Forschung der Universität Innsbruck soll noch heuer ein konkreter Schritt gesetzt werden: die Einbringung von Lanthan-modifiziertem Bentonit. „Dabei handelt es sich um ein natürliches Tonmineral, das mit Lanthan angereichert ist. Dieses Element bindet Phosphor sehr stabil. Nach der Ausbringung sinkt das Material in den See und bildet am Sediment eine aktive Schicht, die sowohl vorhandenen Phosphor fixiert als auch dessen Freisetzung in die Wassersäule hemmt“, erläutert Univ.-Prof. Ruben Sommaruga vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck.

Eine spezialisierte Fachfirma hat bereits Sedimentproben entnommen, um die benötigten Mengen zu eruieren. Die Umsetzung ist – vorbehaltlich der naturschutzrechtlichen Genehmigung – für September nach Ende der Badesaison vorgesehen. „Die Methode ist an zahlreichen Seen und Gewässern erprobt“, betont Bürgermeister Falkner. Kurzfristige Auswirkungen wie eine leichte Trübung während der Ausbringung seien möglich, würden aber rasch wieder abklingen.

Wissenschaftlich fundierter Ansatz

Die geplante Maßnahme wird von der Universität Innsbruck ausdrücklich unterstützt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die interne Freisetzung von Phosphor aus dem Sediment in den vergangenen Jahren zugenommen hat – trotz bereits bestehender Maßnahmen wie der Tiefenwasserableitung. „Aus wissenschaftlicher Sicht stellt die geplante Einbringung von Lanthan-modifiziertem Bentonit derzeit einen der vielversprechendsten Ansätze zur Reduktion der internen Phosphorbelastung dar“, so Sommaruga.

Die Forschungsgruppe Alpine Süßwasserökologie war im gesamten Entscheidungsprozess beratend tätig und brachte aktuelle Erkenntnisse sowie Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten ein. Ein begleitendes Monitoring soll sicherstellen, dass die Wirkung der Maßnahme laufend überprüft und bei Bedarf angepasst wird.

Breite Unterstützung und Finanzierung

Konkrete Angaben zu den Kosten sind erst nach Auswertung der Sedimentproben möglich. Die Gemeinde Oetz hat entsprechende Mittel bereits im Budget eingeplant. Zusätzlich werden Förderungen des Landes sowie LEADER-Mittel beantragt. „Wir hoffen auf eine breite Unterstützung für dieses wichtige Vorhaben“, so Falkner. Auch der Naturpark Ötztal sowie Ötztal Tourismus haben ihre Unterstützung – teilweise auch finanziell – in Aussicht gestellt.

Ergänzende Maßnahmen angedacht

Die anvisierte ‚Verdeckelung‘ der Phosphatschicht gilt einhellig als zentraler Hebel zur Stabilisierung des Sees. „Erst wenn das System wieder im Gleichgewicht ist, sind weitere Schritte – etwa die ökologische Anpassung des Fischbestands – letztendlich sinnvoll“, sagt Schmarda, Geschäftsführer im Naturpark Ötztal. Als mögliche Ergänzung zur Bentonit-Behandlung wird unter anderem das Einblasen von reinem Sauerstoff diskutiert. Hier gibt es positive Erfahrungen bei kleineren Gewässern wie dem Montiggler See in Südtirol. „Die Übertragbarkeit auf den deutlich größeren Piburger See muss jedoch genau geprüft werden“, so Falkner. 

Appell an Seebesucher:innen

Neben technischen Lösungen spielt das Verhalten der Menschen am See weiterhin eine entscheidende Rolle. Es gilt, jeden zusätzlichen Nährstoffeintrag zu vermeiden. „Jeder Badegast und jeder Seebesucher kann einen Beitrag dazu leisten, dass sich das Gewässer nicht weiter verschlechtert“, appelliert Schmarda an die individuelle Verantwortung. Bereits laufende Informationskampagnen sollen das Bewusstsein stärken, weitere Projekte – etwa mit Schulen – sind geplant. Auch die Bergwacht ist mit ihrer gezielten Aufklärungsarbeit vor Ort ein wichtiger Partner im gemeinsamen Einsatz für den Erhalt des Sees. 

„Unser erklärtes Ziel ist, die Wasserqualität und damit den See durch Präventionsmaßnahmen und technische Unterstützung langfristig als Naturschatz und beliebtes Erholungsgebiet in eine gute Zukunft zu bringen“, betont Falkner abschließend. 

Bild: Ötztal Tourismus