Am Freitag, den 22. Mai 2026, probten rund 140 Mitglieder verschiedener Blaulichtorganisationen auf der Großbaustelle der Luegbrücke im Wipptal den Ernstfall. Unter extremen topografischen Bedingungen sammelten die Teams wertvolle neue Erfahrungen und festigten ihr gelerntes Wissen. Im Fokus standen die Kommunikation in parallel laufenden Einsatzabschnitten, die komplexe Fahrzeugaufstellung und die organisationsübergreifende Zusammenarbeit – insbesondere auch die sehr gute, höchst professionelle Kooperation mit den Baufirmen Porr und Strabag, um für reale Notfälle auf der Baustelle bestmöglich vorbereitet zu sein.
- Klare Übungsziele: Höchste Priorität hatten die Kommunikation zwischen den Organisationen, die exakte Koordination der Zufahrtswege sowie die Aufstellung der Fahrzeuge auf engstem Raum. Zudem lag ein besonderes Übungsziel auf der Eigensicherung der Einsatzkräfte im gefährlichen Baustellengelände.
- Drei komplexe Einsatzabschnitte: Verteilt über das weitläufige Gelände wurden in drei Abschnitten mit jeweils zwei Szenarien insgesamt sechs hochkomplexe Lagen abgearbeitet – von der schweren Einklemmung bis zur Personenrettung aus gewaltigen Höhen.
- Sechs komplexe Szenarien: Von der Personenrettung aus einem Baukran bis zur schweren Einklemmung nach einem simulierten Fahrzeugabsturz.
- Gezielte Lageführung: Ein spezielles Lotsenpunkt-System der Baufirmen sicherte die Orientierung, während eine Polizeidrohne Luftbilder des Einsatzraumes lieferte.
- Multidisziplinäre Zusammenarbeit: Rotes Kreuz, Feuerwehren, Bergrettung, Polizei und Baufirmen übten Hand in Hand – insbesondere bei der gegenseitigen Eigensicherung.
Gries am Brenner – Herausforderung Großbaustelle: Wenn jeder Zentimeter zählt
Die Großbaustelle an der Brennerautobahn A13 stellt für die Notfallversorgung eine massive Herausforderung dar. Sie erstreckt sich über einen steilen, bewaldeten Hang. Enge Korridore und schmale Baustraßen erschweren Zufahrten und den Materialumschlag drastisch. Zahlreiche Arbeiten finden unter Einsatz von Seil- und Sondertechnik an bis zu 94 Meter hohen Kränen sowie an den neu errichteten, bis zu 75 Meter hohen Brückenstützen statt. Bei der Übung wurden Personen genau in dieser enormen Höhe rettungsdienstlich versorgt und anschließend gerettet. Um im Ernstfall keine Zeit zu verlieren und sich nicht gegenseitig zu blockieren, ist das präzise Ineinandergreifen aller beteiligten Organisationen und der Baufirmen zwingend erforderlich.
Höchst professionelle Zusammenarbeit und gegenseitige Absicherung
Ein zentraler Erfolgsfaktor der Übung war die nahtlose Einbindung der Baufirmen Porr und Strabag. Die Zusammenarbeit mit den Baufirmen erwies sich als sehr gut, es wurde auf höchst professionellem Niveau miteinander gearbeitet. Bei den sechs parallel ablaufenden Übungsszenarien verschmolzen die Kompetenzen aller Beteiligten zu einer Einheit. Die Feuerwehren übernahmen die schwere technische Rettung, sicherten das Gelände und verschafften Zugang zu den Verletzten. Die Bergrettung nutzte ihre Expertise in der Seiltechnik nicht nur zur Bergung aus den Baukranen, sondern sicherte auch die Sanitäter und Feuerwehrleute in absturzgefährdeten Bereichen ab. Unterstützt wurden die Maßnahmen durch die Polizei, deren Drohne der Einsatzleitung einen raschen Überblick über die Einsatzabschnitte verschaffte.
Rotes Kreuz: Medizinische Versorgung und dynamisches Ressourcenmanagement
Für den Rettungsdienst stand die rasche Patientenübernahme an schwer zugänglichen Punkten im Vordergrund. Gerade weil Sanitäter oft aus dem gesamten Bezirk zusammengezogen werden und nicht zwingend ortskundig sind, ist die enge Abstimmung mit der lokalen Feuerwehr auf der Baustelle essenziell. Zudem erforderte das unwegsame Gelände den massiven Schutz der eigenen Kräfte durch die Partnerorganisationen. „Die besondere Herausforderung lag darin, bei drei zeitgleichen Einsatzabschnitten durchgehend den Überblick über unsere Ressourcen zu behalten. Bei der Versorgung in absturzgefährdeten Bereichen haben wir die Unterstützung der anderen Organisationen gebraucht, die uns abgesichert haben. Ohne dieses Hand-in-Hand-Arbeiten ist die Abwicklung so eines Einsatzes schlichtweg nicht möglich“, resümiert Daniel Binder, Gesamteinsatzleiter Rettungsdienst des Roten Kreuzes Innsbruck-Land.
Feuerwehr: Logistische Meisterleistung bei Zufahrt und Aufstellung
Die Freiwilligen Feuerwehren Gries am Brenner, Obernberg, Steinach und die Berufsfeuerwehr Innsbruck waren bei einem simulierten Fahrzeugabsturz sowie bei Personenrettungen mittels Drehleiter massiv gefordert. Dabei stand die Wegekoordination im Mittelpunkt. Andreas Jenewein, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gries am Brenner, erklärt: „Das Gelände ist geprägt von schmalen Baustraßen. Es ist eine enorme Herausforderung, die Wege so zu nutzen, dass wir uns mit unseren Großfahrzeugen nicht blockieren und der Rettungsdienst die Verletzten rasch abtransportieren kann. Das von der Baufirma ausgearbeitete System mit Lotsenpunkten hat sich bestens bewährt. Wir haben gesehen: Wenn die Kommunikation untereinander passt, kann man selbst diese schwierigen Situationen perfekt meistern.“
Bergrettung: Bewährte alpine Technik im industriellen Umfeld und Eigensicherung
Wenn herkömmliche Zugänge enden, beginnt die Arbeit der Bergrettung. Sie war essenziell für die Rettung aus der Mitte der Baukräne sowie für das Klettern im Hügelgebiet. „Normalerweise sind wir in den Bergen unterwegs, die Baustelle war daher ein ganz besonderer Einsatzort für uns. Neben der eigentlichen Rettung lag unser Schwerpunkt heute darauf, die Einsatzkräfte unserer Partner-Blaulichtorganisationen in der Gefahrenzone abzusichern“, betont Walder Bernhard, Ortsstellenleiter der Bergrettung Gries-Obernberg. „Die Zusammenarbeit war hervorragend, jeder war bereit, sich abseilen zu lassen. Solche Übungen im Vorfeld sind das Um und Auf für den Realfall.“
Positives Fazit: Hand in Hand für die Sicherheit
Das Gesamtfazit der Einsatzleiter der Blaulichtorganisationen und der Baufirmen fällt äußerst positiv aus. Die initial ausgearbeiteten Anfahrtspläne und Lotsenpunkte haben in der Praxis hervorragend funktioniert, und die Einsatzkräfte arbeiteten nahtlos zusammen. Zwar wurden im Zuge der Übung noch kleinere Punkte identifiziert, die im Detail (wie etwa die strikte Reihenfolge der anrückenden Fahrzeuge) weiter optimiert werden können, doch insgesamt zeigten sich die Verantwortlichen hochzufrieden mit dem hohen Leistungsniveau und der reibungslosen Kooperation am Übungstag.
Bild: BFV-IL Pernsteiner




