Volksschauspiele Gmbh wehrt sich gegen Theaterrebellen

Das kam überraschend! Nach dem großartigen Erfolg mit dem Mitterer-Stück „Verkaufte Heimat“ im vergangenen Jahr fliegen jetzt zwischen dem Verein „Tiroler Volksschauspiele“ und der gleichnamigen GmbH der Marktgemeinde Telfs die Fetzen. Der Verein um Markus Völlenklee und Felix Mitterer ließ kein gutes Haar an der Gesellschaft, die sich 2018 die Marke „Tiroler Volksschauspiele” sichern ließ. In Telfs sorgt diese für große Verwunderung. Die Gemeindeführung gab dazu nun nachfolgende Stellungnahme ab:

Der nach Eigendefinition „heimat- und mittellose Verein“ hatte in einem Innsbrucker Biergarten zur Pressekonferenz geladen. Der bereits 2018 zurückgetretene und nun doch wieder im Amt befindliche Obmann Markus Völlenklee und ein Teil des Vereinsvorstandes – bezeichnenderweise ohne die Vertreterin der Marktgemeinde Telfs – holten zum Rundumschlag gegen Telfs und die im Herbst 2019 gegründete Tiroler Volksschauspiele GmbH aus. Die Hauptkritikpunkte in Kürze:

– Der Verein sei „demissioniert“ worden. „Tiroler Volksschauspiele, das sind wir“, gab sich Völlenklee kämpferisch.

– Die Marktgemeinde Telfs bzw. die zu 100 Prozent in deren Eigentum befindliche Tochter Tiroler Volksschauspiele GmbH habe sich den Namen Tiroler Volksschauspiele widerrechtlich angeeignet.

– Im Widerspruch dazu kritisierte Vorstandsmitglied Alfred Konzett, dass eine am 31. Jänner 2020 an Bgm. Christian Härting gesendete Vereinbarung zwischen Verein und Marktgemeinde betreffend Kooperation und Anerkennung der Gründung einer Betriebsgesellschaft und des eingetragenen Firmennamens vom Gemeindechef (noch) nicht gegengezeichnet wurde.

– Ein weiterer Stein des Anstoßes war die Absage des heurigen Spielsommers und – damit einhergehend – Verdienstentgänge bzw. nicht bezahlte Vorleistungen für die Vereinsmitglieder. Auf die Frage aus den Reihen der Journalisten, ob es denn eine Pressekonferenz mit diesen Kritikpunkten auch gegeben hätte, wenn die „Feuernacht“ mit entsprechendem Engagement des Vereins heuer stattgefunden hätte, antwortete das Podium unisono mit „Nein.“

– Felix Mitterer gab die persönliche Erklärung ab, aus Enttäuschung alle Funktionen in der GmbH niederzulegen und meinte: „Das für mich vorgesehene Ehrengrab können sich die Telfer behalten, da können sie jemand anderen hineintun.“ Ergänzung: Felix Mitterer ist Ehrenzeichenträger der Marktgemeinde, nach ihm ist sogar eine Straße benannt.

Reaktion der Volksschauspiele GmbH

Mit großer Verwunderung nehmen wir den Auftritt des Vorstandes des Vereins Tiroler Volksschauspiele zur Kenntnis. Wir möchten dazu festhalten:

Die Marktgemeinde Telfs hat den Verein Tiroler Volksschauspiele über die Jahre seit 1982 mit rund 8 Millionen Euro zuzüglich Eigenleistungen der Gemeindewerke Telfs GmbH subventioniert. Das verstehen wir als Investment in die Marke und als klares Bekenntnis zu dieser wichtigen Tiroler Kulturinstitution.

Die Marktgemeinde Telfs, das Land Tirol, der TVB Innsbruck und seine Feriendörfer sowie der ORF Tirol, die jetzt im Beirat der im Herbst 2019 gegründeten Tiroler Volksschauspiele GmbH vertreten sind, haben sich im Vorfeld über zwei Jahre lang intensiv mit der Zukunftsgestaltung der Tiroler Volksschauspiele beschäftigt.

Ein wesentlicher Grund für die Errichtung einer gemeinnützigen GmbH war, die Vereinsmitglieder aus der persönlichen (finanziellen und organisatorischen) Haftung, wie es bei Vereinen gesetzlich vorgesehen ist, zu entbinden. Die Basis der Volksschauspiele der Zukunft sollten weiters entsprechende Compliance-Regeln – wie im Kulturbetrieb üblich und gefordert – bilden, damit größtmögliche Transparenz, Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit gewährleistet sind.

Sämtliche Schritte in Richtung GmbH und die damit verbundenen Vorteile für die im Verein tätigen Mitglieder waren und sind mit dem Land Tirol abgestimmt und wurden dem Verein gegenüber in mehreren Gesprächen deutlich kommuniziert.

Der Schutz der Marke wurde von der Marktgemeinde Telfs in Verantwortung auch gegenüber dem Verein bereits 2018 vorgenommen, weil vonseiten des Vereins – obwohl mehrfach urgiert – ein Markenschutz nicht erfolgt ist.

In einem Schreiben an die Marktgemeinde Telfs vom 31. Jänner 2020 hat man vonseiten des Vereins einer gemeinsamen Vorgangsweise zugestimmt. Es wurde vereinbart, dass vom Verein eine genaue Kostenaufstellung des Vereinsvermögens und etwaiger Außenstände vorgelegt wird, damit der Verein ohne Verbindlichkeiten im Sinne der Vereinbarung weiterarbeiten kann. Die noch nicht erfolgte Gegenzeichnung durch Bgm. Christian Härting ist ausschließlich der Tatsache geschuldet, dass ebendiese Aufstellung der Jahresrechnung 2019 bis heute noch nicht vorgelegt wurde.

Die Tiroler Volksschauspiele GmbH hat Felix Mitterer gebeten, als Mitglied der Auswahljury für die künstlerische Leitung den Verein zu vertreten. Weiters hat die GmbH jedes ehemalige Vorstandsmitglied ermutigt, sich für die neue künstlerische Leitung zu bewerben bzw. die künstlerische Zusammenarbeit weiterhin anzustreben. Damit sollte ein Brückenschlag zwischen den bisherigen und den neuen Strukturen geschaffen werden und die künstlerische Konstanz gewährleistet werden.

Bezugnehmend auf die coronabedingte Absage der Volksschauspiele 2020 und den behaupteten nicht ausgezahlten Abschlagszahlungen stellt die GmbH klar: Auszahlungen können nur auf Basis von schriftlichen Vereinbarungen und Leistungsnachweisen erfolgen.  Felix Mitterer hat für seine Adaption der „Feuernacht“ das vereinbarte Honorar nach Abgabe des Textes in vollem Umfang erhalten. Sollten weitere Vorleistungen erbracht worden sein, ist die Bereitschaft gegeben, nach Vorlage von Leistungsnachweisen darüber Gespräche zu führen.

Den Rückzug des Telfer Ehrenzeichenträgers Felix Mitterer aus dem Beirat der Tiroler Volksschauspiele GmbH sowie seine persönliche Entscheidung für einen Bruch mit seiner jahrzehntelangen künstlerischen Heimat Telfs nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis.

Wir wünschen dem Verein auf seinem weiteren Weg alles Gute und reichen gerne auch in Zukunft die Hand für eine künstlerische Zusammenarbeit.

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